16./17.06.2016 19 Uhr, 21./22.09.2016 20.00 Uhr, studioNAXOS Frankfurt am Main

In unserem Abend gehen wir der Frage nach, wie jede*r für sich mit der eigenen Familiengeschichte umgeht, die Strukturen erkennt, in denen alle gefangen sind und die Emanzipation daraus. Mit oder ohne die Anderen, vor dem Lauf der Weltgeschichte - die auf manche Familien stärker einwirkt als auf andere und zu neuen Verbündeten aber auch Zerwürfnissen führt - und auf der Suche nach einem "Wozu".

Lin, Clara, Rahel. Großmutter, Mutter, Enkeltochter. Drei Generationen und dazwischen das Vergangene, das nicht vergangen ist und eine Liebe, die immer eine Zumutung bleibt. Zwischen Emanzipation und Restauration, völliger Assimilation und Rückkehr zu einer verdrängten und zugeschütteten Identität, suchen die Frauen nach einem Wort für sich. Frau? Jüdin? Kommunistin? Deutsche? Atheistin? Lipstick Lesbian? Kosmopolitin? Eine Begegnung, die so nie stattfand. Eine Familie, in der Widersprüche Hoffnungen sind.

Regie: Carolin Millner | Text: Sasha Marianna Salzmanns Muttersprache Mameloschn | Bühne: Nils Wildegans | Kostüm: Maylin Habig | Dramaturgie: Tatjana Kijaniza | Musik: Marcus Morgenstern, Nils Wildegans | Bühnenbildassistenz: Lisa Magalene Herms | Spieler*innen: Gabriele Nickolmann, Sophie Pfenningstorf, Annemarie Falkenhain | outside eye: Carmen Salz, Bettina Földesi | Aufführungsrechte: Verlag der Autoren, Frankfurt am Main

Gefördert durch die maeceniaStiftung.

Die Wiederaufnahme wurde unterstützt von der Hessischen Theaterakademie und dem Kulturamt der Stadt Frankfurt am Main.


FAZ, Matthias Bischoff, 20.06.2016, Kritik zu Muttersprache מאַמע-לאָשן: "Lediglich weiße Vorhänge bilden das Bühnenquadrat im studioNAXOS. Dahinter kommt ein weiterer Vorhang zum Vorschein und als nach knapp 80 Minuten der Raum kahl ist, gibt es nichts weiter zu sagen, versiegen die Sprechakte, verschwinden die Figuren. Sophie Pfenningstorf, Annemarie Falkenhain und Gabriele Nickolmann sprechen zunächst ohne genaue Rollenzuordnung als Großmutter Lin, Mutter Clara und Enkelin Rahel. Die drei Frauen sprechen Brieftexte, unter anderen an einen nie anwesenden Sohn beziehungsweise Bruder, sie kämpfen miteinander, sie ringen um die Vorherrschaft. Jeweils zwischen Mutter und Tochter ist die Hauptlinie dieser Rededuelle, die bissig, scharfzüngig, voller böser Pointen sind und naturgemäß an kein rechtes Ende kommen. Millners Inszenierung bleibt dicht an den Figuren dran, sie lässt sie mitunter körperlich die gleichen Bewegungen vollführen und verlässt sich dabei ganz auf den Text. Als kreisender Diskurs über jüdische Identität, über jüdisches Leben nach 1945 in der DDR, vor allem als Psychogramm der konfliktträchtigen Mutter-Tochter-Beziehung stellt der Abend aber vor allem Fragen und lässt die Figuren und die Zuschauer damit absichtsvoll allein."

Fotos: Marcus Morgenstern